Hermann Ieland

Renoir in Love – Paris 2026
Manche Orte verlieren auch nach vielen Jahren nichts von ihrer Faszination. So ging es mir bei meinem zweiten Besuch in Paris seit 2014. Anlass für das verlängerte Wochenende war eine ganz besondere Ausstellung im Musée d’Orsay: „Renoir in Love“ – eine Sonderausstellung, die meinem absoluten Lieblingsmaler gewidmet war.
Pierre-Auguste Renoir begleitet mich schon seit vielen Jahren. Seine Bilder besitzen für mich eine einzigartige Mischung aus Leichtigkeit, Lebensfreude und Wärme. Als ich erfuhr, dass das Musée d’Orsay zahlreiche Werke aus verschiedenen Sammlungen zusammengeführt hatte, die dort normalerweise nicht zu sehen sind, war klar: Diese Ausstellung durfte ich auf keinen Fall verpassen.
Paris empfing mich mit hochsommerlichen Temperaturen von deutlich über 35 Grad. An längere Spaziergänge durch die Stadt war kaum zu denken. Also verbrachte ich gleich den ersten Tag an meinem absoluten Lieblingsort in Paris – dem Musée d’Orsay. Die Sonderausstellung „Renoir in Love“ war jede Minute wert. Es war beeindruckend, so viele außergewöhnliche Werke Renoirs an einem Ort erleben zu können. Manche Gemälde hatte ich bisher nur aus Büchern oder Dokumentationen gekannt. Sie nun im Original zu sehen, war ein ganz besonderes Erlebnis. Die Farben, die Lichtstimmungen und die feinen Details lassen sich einfach nicht mit Fotografien vergleichen. Natürlich blieb es nicht nur bei Renoir. Ein Besuch im Musée d’Orsay bedeutet immer auch eine Reise durch den Impressionismus und darüber hinaus. Ich nahm mir wieder viel Zeit für die Werke von Van Gogh, Degas, Monet und vielen weiteren Künstlern. Was dieses Museum für mich so einzigartig macht, ist jedoch nicht nur die Sammlung. Von allen Museen, die ich bisher auf der Welt besucht habe, ist das Musée d’Orsay dasjenige, dessen Ausstellungen und Architektur mich insgesamt am meisten ansprechen. Natürlich gibt es Werke, mit denen ich weniger anfangen kann. Aber der überwiegende Teil begeistert mich sowohl intellektuell als auch emotional. Man lässt sich auf die Kunst ein, entdeckt immer neue Details und verliert dabei völlig das Zeitgefühl. Auch das Gebäude selbst trägt seinen Teil dazu bei. Die ehemalige Bahnhofshalle mit ihrer beeindruckenden Architektur gehört für mich zu den schönsten Museumsbauten überhaupt. Der Blick aus den großen Fenstern auf das sommerliche Paris rundet den Besuch jedes Mal perfekt ab.
Nach der Schließung des Museums war es draußen immer noch drückend heiß. Trotzdem nutzte ich den Abend für einen kleinen Spaziergang durch die Stadt und kam unter anderem am Petit Palais vorbei. Selbst am Abend lagen die Temperaturen noch deutlich über 35 Grad. Nach einem entspannten Abendessen ging es schließlich zurück ins Hotel.
Am nächsten Tag stand mein Besuch im Louvre auf dem Programm. Der Louvre beeindruckt allein durch seine schiere Größe. Man kann dort stundenlang durch die endlosen Flure und Säle laufen und entdeckt ständig neue Bereiche. Die Vielfalt der Sammlungen ist überwältigend: ägyptische Kunst, byzantinische Werke, christliche Kunst, Gemälde aus nahezu allen europäischen Ländern und viele weltberühmte Meisterwerke. Dennoch stellte ich erneut fest, dass mich die Sammlung des Louvre persönlich nicht ganz so sehr anspricht wie die des Musée d’Orsay. Während der Louvre durch seine enorme Vielfalt beeindruckt, schlägt mein Herz einfach für den Impressionismus und die Kunst des 19. Jahrhunderts.
Am späten Nachmittag verließ ich den Louvre und machte mich noch auf den Weg ins Musée Marmottan Monet. Dort erwartete mich eine der schönsten Sammlungen von Claude Monet. Besonders seine berühmten Seerosenbilder entfalten dort eine ganz besondere Wirkung. Aber auch viele andere impressionistische Werke machten den Besuch zu einem wunderbaren Abschluss des Tages.
Eigentlich hatte ich geplant, anschließend oder am nächsten Morgen noch die Orangerie zu besuchen. Leider blieb dieser Wunsch unerfüllt, da das Museum aufgrund der extremen Hitze geschlossen war. Bevor es am Sonntag wieder nach Hause ging, machte ich noch einen Zwischenstopp in Verdun.
Der Besuch der Gedenkstätte des Ersten Weltkriegs bildete einen starken Kontrast zu den unbeschwerten Eindrücken aus Paris. Besonders das Beinhaus von Douaumont hinterließ bei mir eine sehr nachdenkliche Stimmung. Dieser Ort macht das unfassbare Ausmaß des Ersten Weltkriegs auf eindrucksvolle Weise sichtbar und regt zum Innehalten an.
Dieses verlängerte Wochenende wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.
Die Sonderausstellung „Renoir in Love“ war für mich der Höhepunkt der letzten Jahre. So viele Werke meines Lieblingsmalers an einem Ort erleben zu dürfen, war etwas ganz Besonderes. Entsprechend viele Fotos habe ich gemacht – vor allem von den Renoir-Gemälden, um die Erinnerungen an diese außergewöhnliche Ausstellung festzuhalten. Paris hat mich erneut begeistert. Nicht nur wegen seiner Museen und seiner Architektur, sondern auch wegen der besonderen Atmosphäre, die diese Stadt ausstrahlt. Und obwohl die Hitze außergewöhnlich war, hätte ich mir kaum ein schöneres langes Wochenende vorstellen können. Ich bin sicher: Es wird nicht mein letzter Besuch im Musée d’Orsay gewesen sein.

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