Hermann Ieland

Ibiza 2026 – Zwischen Traum, Trance und Tourismus
Mein erster Jahresurlaub führte mich in diesem Jahr nach Ibiza – eine Insel, die ich schon seit über 30 Jahren einmal besuchen wollte. Der Grund war weniger die Landschaft als vielmehr ihr legendärer Ruf als Heimat der elektronischen Musik. 
Los ging die Reise mit einem frühen Morgenflug um 4:50 Uhr ab Frankfurt. Ein denkbar früher Start, der sich aber gelohnt hat. Etwas aufregender wurde es erst auf dem Rückflug. Aufgrund einer Überbuchung wollte man mich zunächst nicht mitfliegen lassen. Nach einiger Wartezeit klärte sich die Situation glücklicherweise und ich konnte doch wie geplant nach Hause reisen.
Untergebracht war ich auf der Ostseite der Insel in einem Familienhotel direkt am Strand bei Santa Eulària. Die Lage war hervorragend – morgens nur wenige Schritte bis zum Meer. Das Hotel selbst war allerdings überwiegend von britischen Familien besucht, wodurch es teilweise recht laut zuging. Das Essen war gut und abwechslungsreich. Wie in vielen All-inclusive-Hotels gab es mehr als genug Auswahl – eigentlich sogar viel zu viel. Dennoch konnte man sich über die Qualität nicht beschweren. Ich hatte dieses Mal glücklicherweise nur Halbpension gebucht, was völlig ausreichend war.
Den größten Teil meines Urlaubs verbrachte ich damit, die Insel mit dem Auto zu erkunden. Die Straßen auf Ibiza sind hervorragend ausgebaut, sodass sich alle Orte problemlos erreichen lassen. Allerdings ist der Verkehr gerade in der Hauptsaison enorm. Besonders beeindruckt haben mich die zahlreichen Strände. Fast überall findet man feinen Sand, kristallklares türkisblaues Wasser und wunderschöne Buchten. Dazwischen wechseln sich flache Küsten mit spektakulären Steilküsten und markanten Felsformationen ab, die immer wieder großartige Ausblicke auf das Mittelmeer bieten. Das Landesinnere konnte mich dagegen weniger begeistern. Dort dominieren Wälder, Felder und eine eher gleichförmige Landschaft, die im Vergleich zur Küste wenig Abwechslung bietet. Ibiza vermittelt vielerorts den Eindruck einer Insel für wohlhabende Urlauber. Immer wieder sieht man Privatjets starten und landen, luxuriöse Sportwagen und exklusive Shuttle-Services. An vielen Stränden können luxuriöse Daybeds für mehrere hundert Euro pro Tag gemietet werden – inklusive Bedienung und Service. Auch die Gastronomie bewegt sich auf einem hohen Preisniveau. Strandbars, Restaurants und Beach Clubs, wie beispielsweise das Destino Five Ibiza, verlangen entsprechend hohe Preise. Man merkt schnell, dass Ibiza stark auf Tourismus und Konsum ausgerichtet ist. Natürlich durfte auch ein Besuch der Inselhauptstadt nicht fehlen. Sehenswert ist vor allem die historische Altstadt mit der Catedral d’Eivissa auf dem Hügel. Von dort bietet sich ein wunderschöner Blick über die Stadt und das Meer. Es dominieren Geschäfte, Restaurants und Cafés, die fast ausschließlich auf Touristen ausgerichtet sind. Der Hafenbereich wirkt modern, konnte mich persönlich aber weniger begeistern. Insgesamt bietet die Stadt nur wenige kulturelle Sehenswürdigkeiten und lebt vor allem von ihrer Atmosphäre.
Der absolute Höhepunkt meiner Reise war der Besuch im Café del Mar. Seit mehr als drei Jahrzehnten wollte ich diesen legendären Ort einmal erleben. Den Sonnenuntergang dort bei entspannter Musik zu genießen, war tatsächlich ein besonderer Moment und erfüllte einen lang gehegten Traum. Ebenso beeindruckend war mein Besuch im berühmten Nachtclub Pacha. Auch dort wollte ich seit über 30 Jahren einmal feiern. Mit Mitte 40 gehörte ich zwar eindeutig zu den ältesten Gästen des Abends, doch genau das spielte letztlich keine Rolle. Es war faszinierend, diesen Ort endlich selbst erlebt zu haben.
Was Ibiza trotz aller Kritikpunkte einzigartig macht, ist vor allem seine besondere Atmosphäre am Abend. An den Stränden entsteht dann ein Gefühl von Freiheit und Gelassenheit. Die Musik gehört dabei einfach dazu – ob House, Techno, Trance oder Drum and Bass. Sie prägt das Lebensgefühl der Insel und schafft eine Stimmung, die man nur schwer beschreiben kann.
Gleichzeitig fällt aber auch der hohe Konsum von Alkohol, Tabak und Drogen auf. Selbst wenn man sich davon bewusst fernhält, ist dieses Thema auf der Insel allgegenwärtig.
Was bleibt zu sagen? Ibiza ist landschaftlich vor allem wegen seiner traumhaften Strände und des außergewöhnlich klaren Wassers eine Reise wert. Hier findet man spektakuläre Küstenlandschaften, entspannte Strandtage und das besondere Lebensgefühl der Insel.
Wer hingegen auf der Suche nach zahlreichen kulturellen Sehenswürdigkeiten oder authentischem spanischem Leben ist, wird wahrscheinlich eher enttäuscht sein. Die Insel ist stark vom Tourismus geprägt und vielerorts auf Luxus und Konsum ausgerichtet. Das hat mich schon sehr gestört. Halbpension ist eigentlich immer ausreichend – auch eine Erkenntnis. 
Für mich war der Urlaub dennoch etwas Besonderes. Nicht wegen der Sehenswürdigkeiten, sondern weil ich mir mit dem Besuch des Café del Mar und des Pacha zwei Wünsche erfüllt habe, die ich seit über 30 Jahren mit mir herumgetragen hatte. Leider wurde mir erst vor Ort bewusst, dass ich etwa zwölf Jahre zu spät gekommen war: Der legendäre Club Space hatte bereits vor über zehn Jahren seine Türen geschlossen. Gerade dieser Club gehörte für mich immer zum Mythos Ibiza. Manche Dinge sollte man eben nicht zu lange aufschieben. Orte verändern sich – und manchmal verschwinden sie, bevor man die Gelegenheit hatte, sie selbst zu erleben. Deswegen lieber früher als später die eigenen Wünsche erfüllen.

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