Nach meiner Städtereise nach Budapest war ein einwöchiger Aufenthalt in Wien geplant. Die ÖBB hat mich schnell, ruhig und pünktlich dorthin gebracht. Ich liebe die ÖBB. Ich hatte ein günstiges Studiozimmer mit kleiner Küche etwas stadtauswärts gemietet. So musste ich nicht viel auswärts essen, sondern konnte mich abends dort verpflegen. Bei den Wiener Preisen eine kluge Entscheidung. Ich war 2010 schon einmal für drei Tage im Winter in Wien. Schon damals war mir klar, dass ich noch einmal hinmusste. Diesen Wunsch habe ich mir nun erfüllt. Wie immer bei Stadturlauben war mein Ziel, möglichst viel unterwegs zu sein und viel zu sehen. Nach einer kurzen Sichtung der horrenden Eintrittspreise habe ich mir einen Touristenpass gekauft. Vor Ort wurde mir erst klar, dass ich genau zum CSD dort war. Es hat mir gut gefallen, wie viele Menschen dort ausgelassen gefeiert haben. Obwohl ich dieser Bewegung nicht viel abgewinnen kann und mir das eigentlich total egal ist, fand ich es ansprechend, dass so viele Menschen friedlich miteinander feiern. Die sechs Tage waren geprägt von Museumsbesuchen und Sehenswürdigkeiten. Besonders gut haben mir folgende Ziele gefallen: Schönbrunn mit allen Gärten, Gloriette, Palmenhaus und den Ausstellungen, die Hofburg, die Albertina, die Kaisergruft, das Kunsthistorische Museum, das Belvedere und der Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek. Am wenigsten zugesagt haben mir folgende Locations: Prater, Sissi-Museum, Weltmuseum, Madame Tussauds und die Heidi-Horten-Ausstellung. Das lag hauptsächlich daran, dass sie entweder zu oberflächlich gestaltet waren oder mich inhaltlich wenig interessierten. Ich habe mir diese Attraktionen aber dennoch angesehen, da sie im Preis inbegriffen waren und ich neugierig war. Mir gefällt das Flair in Wien besonders gut. Man fühlt sich wie in einem großen Freiluftmuseum. Die Menschen sind auch irgendwie offener und sehen freundlicher aus als in Deutschland. Die Preise in der Innenstadt sind zwar horrend, aber ich konnte mich zurücknehmen. Dennoch habe ich mir im Café Sacher ein Stück Sachertorte gegönnt, um wieder festzustellen, dass sie mir nicht schmeckt. Geschichtlich ist Wien sehr interessant, und die vielen prunkvollen Ausstellungen vermitteln einen guten Eindruck von der Habsburger Kaiserzeit. Das Albertina hat tolle impressionistische Bilder in der Ausstellung. Ich verbringe wirklich sehr gern Zeit in Kunstmuseen. Ich mag die Konzentration und Aufmerksamkeit dort. Es ist einfach eine andere Art der intellektuellen Leistung.
Ich war bereits 2010 im berühmten Restaurant Figlmüller. Das habe ich bei meinem jetzigen Besuch natürlich auch nicht ausgelassen. Allerdings habe ich festgestellt, dass die Portionen kleiner geworden sind, der Preis sich jedoch fast verdoppelt hat. Geschmacklich war es gut, aber nicht herausragend. Zwei Tage später habe ich in einem anderen, billigeren Schnitzelrestaurant einen Vergleichstest durchgeführt. Ich muss sagen, es war besser. Irgendwann zwischen 2005 und 2006 habe ich den Film „Before Sunrise” gesehen, der in Wien spielt. Zufällig habe ich eine App gefunden, die einen Spaziergang zu den Drehorte des Films anbietet. Weil mich der Film sehr berührt hat, bin ich diesen vierstündigen Spaziergang gegangen. Allerdings habe ich nicht viel wiedererkannt, obwohl ich mir den Film auf dem Weg von Budapest nochmals angesehen habe. Besonders spannend fand ich den Besuch im Plattenladen „Alt & Neu”. Obwohl man dort bis heute nur CDs und LPs kaufen kann, war der Laden sehr voll. Ich habe mit den Eigentümern gesprochen und sie haben mir gesagt, dass es ein normaler Tag sei. Man profitiere immer noch von dem Film, wenn auch weniger durch den Verkauf von Tonträgern als durch den Verkauf von Tüten. Am Schluss hat man mir eine Kopie des Dankesschreibens der Filmgesellschaft mitgegeben.
Auch außerhalb der touristischen Innenstadtbereiche ist Wien von einem tollen Flair geprägt. Es gibt tolle, alte Wohngebäude, tolle Gassen und schöne Plätze. Man merkt, dass Wien keine großen Zerstörungen erleben musste. Mir haben bisher wenige Städte so gut gefallen wie Wien. Die Stadt wirkt sauber, es gibt wenige seltsame Menschen und eine gewisse Grundpositivität. Ansprechende Schaufensterauslagen und nette Geschäfte außerhalb der Innenstadt prägen das Bild. Trotz meiner vielen Blasen habe ich es sehr genossen, durch die Stadt zu laufen. Aber das ist egal. Es geht darum, Eindrücke zu sammeln.
Was bleibt zu sagen? Wiederholt musste ich feststellen, wie schön Wien ist. Nach Rom und Tarifa in Südspanien ist Wien wohl eine weitere Lieblingsstadt. Ich mag die Wiener Lebensart und das Flair. Sicher wird einem mit der Zeit der Tourismus dort zu viel, aber das ist begrenzt. Ich kann mir gut vorstellen, im Ruhestand einige Zeit dort zu leben. Ich finde, Wien hat meine geistige Tätigkeit irgendwie angeregt, motiviert durch das Flair der Stadt, die tollen Bauwerke und die positive Resonanz, die ich dort gespürt habe. Ich bin mir sicher, dass dies nicht mein letzter Besuch in Wien gewesen ist.