Über die Azoren hatte ich schon viel gelesen. Immergrün, Vulkane, Thermalbecken und tolle Küsten. Gesagt, getan: 2025 sollte es für drei Wochen auf insgesamt vier Inseln gehen. Ich flog mit Azores Airlines hin und zwischen den Inseln mit kleinen Propellermaschinen.
Los ging es mit sechs Tagen auf der größten Insel, São Miguel. In den ersten beiden Tagen fuhr ich um die Insel. Es gibt einige schöne Küstenabschnitte. Vieles ist jedoch weniger spektakulär. Man sieht Felsküsten oder Weiden, die bis ans Meer reichen. Die Gegend im Landesinneren erinnert an das Allgäu. Berge, Felder, Kühe. Besonders sehenswert sind die Miradouros, von denen aus man einen wunderschönen Blick auf die Kraterseen der Vulkane hat. Auf São Miguel gibt es ein bis zwei gute Badestellen mit Sandstrand. Dazu gibt es einige Naturbäder, die aber nur bei ruhigem Wellengang nutzbar sind. Die meisten Orte auf São Miguel sind in einem eher schlechten Zustand. Es gibt kaum Infrastruktur, einige wenige Bars und vielleicht mal einen Supermarkt. Die Straßen sind hingegen durchweg sehr gut. Geldtransfer der EU sei Dank. Die Insel ist nur wenig touristisch erschlossen, was jedoch kein Nachteil ist. Es gibt nur wenige ausgewiesene Wanderwege. Um die Vulkane herum sind meist Naturschutzgebiete ausgewiesen. Am besten ist es, einfach loszugehen. Sehr schön und besuchenswert war der Parque Terra Nostra mit seinem wunderschönen Garten. In das Schwefelbecken habe ich mich allerdings nicht gewagt. Ich war jedoch in den eisenhaltigen, warmen Pools von Caldeira Velha, in denen das Wasser auf angenehme 32 Grad erwärmt wird. Ich war an einem Regentag dort, was noch besser war. Sehr empfehlenswert war auch mein Ausflug zum Lagoa do Fogo. Von dort hat man einen tollen Ausblick auf die Vulkankraterseen. Leider habe ich die Caldeira das Sete Cidades nur im Regen und Nebel gesehen. Das fand ich sehr schade, denn so konnte ich keine ordentlichen Bilder machen. Auf São Miguel habe ich an einer Whale-Watching-Tour teilgenommen. Ich habe Kiemen und Flossen von Pott- und Pilotwalen sowie die obligatorischen springenden Delfine gesehen. Wieder einmal habe ich gemerkt, dass ich nicht seefest bin. Sehr spannend waren auch die Schwefelfelder von Furnas, bei denen es heiß und übelriechend aus der Erde kommt. Das landestypische Cocido hat mir jedoch nicht geschmeckt.
Nach sechs Tagen ging es weiter nach Fayal. Dies ist eine sehr kleine Insel. Es ist grandios, auf dem Vulkan Cabeço Gordo um den Krater herumzuwandern. Dabei hat man tolle Ausblicke auf das Umland und den Krater. Ich war zur Blütezeit der Blumenfelder dort. Ich hatte großes Glück, dass der Gipfel an dem Tag nicht verhangen war und ich eine gute Sicht hatte. Ebenfalls sehr beeindruckend ist das ehemalige Erdbebengebiet im Norden, Capelinhos. Von einem verfallenen Leuchtturm aus hat man einen tollen Blick auf einen Vulkanbereich. Toll war auch ein Badetag am Praia do Almoxarife. Der Wellengang war an diesem Tag nach einem Hurrikan in den USA so stark, dass es mich mehrfach umgehauen hat. So etwas habe ich im Meer bisher selten erlebt. Erstaunlich gut war auch die Infrastruktur: bewachter Strand, kostenfreie Liegen, Umkleiden und Duschen. Horta, die Hauptstadt der Insel, ist schnell erkundet. Sie konzentriert sich auf den Strand und die Gasse dahinter. Interessanter sind die Aussichtstürme hinter der Stadt, von denen aus man einen guten Ausblick auf das Umland hat. Bei gutem Wetter waren drei Tage absolut ausreichend, um die Insel zu erkunden. Mit der Fähre sollte es weiter nach Pico gehen.
Pico ist eine Insel, auf der sich der höchste Berg Portugals befindet. Man kann um die Insel herumfahren oder sich auf der Hochebene bewegen. Eine Seite beeindruckt durch die Steinküsten, die andere durch die vielen Wälder. Auch auf Pico gibt es wunderschöne Naturbäder, die man am besten am Abend besucht. Dann ist es nicht mehr voll und man hat einen tollen Blick auf das Abendlicht. Leider konnte ich den Pico nicht besteigen, da es nur begrenzt Slots dafür gab und diese Wochen im Voraus ausgebucht waren. Dennoch habe ich einen klaren Tag erwischt und vom Besucherzentrum aus einen sehr schönen Ausblick gehabt. Besonders beeindruckend waren die durch Vulkanstein eingegrenzten Weingebiete. Ich habe unter anderem eine 11 km lange Wanderung unternommen, die teils sehr anstrengend war, da es über rauen Vulkanfelsen ging. Die Hochebene von Pico ist wunderschön. Man fährt am Hang entlang hoch, durch Kuhweiden und an Seen vorbei, und hat dabei wirklich tolle Ausblicke. Landschaftlich ist es sehr schön. Außer der Natur und Whale Watching hat Pico nicht viel zu bieten. Aber das ist schon mehr als genug. Nach vier Tagen sollte es weiter nach Terceira gehen.
Terceira ist die Insel der versteckten Ecken. Auf den ersten Blick wirkt sie eher unspektakulär, was auch am großen NATO-Flugplatz liegt. Es gibt nur einige wenige schöne Ecken. Sie war die Insel, die mir von den vier, auf denen ich war, am wenigsten gefallen hat. Es gibt jedoch auch dort schöne Naturbecken zum Schwimmen. Dazu gibt es noch ein paar Strandspots mit toller Aussicht. Aber man muss schon sehr danach suchen.
Was bleibt zu sagen? Auf den Azoren ist man der Natur viel näher als an anderen Orten. Die einzelnen Inseln unterscheiden sich alle sehr voneinander. Man kann nicht von „den Azoren“ an sich sprechen, sondern muss immer angeben, welche Insel gemeint ist. Das Leben auf den Azoren ist langsamer und entzieht sich unserem westlichen Lebenswahnsinn. Es ist nicht touristisch ausgebeutet. Man fühlt sich dem Wetter und dem Wasser viel stärker ausgesetzt als anderswo. Toll sind die klare Luft, der tolle Sternenhimmel nachts und eben die Aussichten. Es wirkt sehr europäisch, aber nicht modern oder erdrückend. Trotz der vulkanischen Küsten ist die Landschaft wunderschön. Die Inseln laden dazu ein, zu sich zu finden, wenn man eine geistige Neuorientierung braucht. Dafür sorgen die Natur, die Stille, das gute Essen, das Meer und die Bodenständigkeit. Die Azoren sind kein klassisches Urlaubsziel, sondern eher ein Rückzugsort. Die Azoren sind Seeleninseln, keine Urlaubsinseln, auf die man jedes Jahr fährt. Sie haben in mir irgendwie ein Gefühl von Sehnsucht hervorgerufen. Sehnsucht nach Easy Living. Einfachheit, Meer, Wärme. Was mir an den Azoren nicht gefallen hat, war die Unbeständigkeit und Unvorhersehbarkeit des Wetters. Ich bin ein Sonnenmensch und brauche Sicht sowie blauen Himmel. Die Nebel- und Regentage waren teilweise deprimierend. Das ist nicht schlimm, wenn man dauerhaft dort lebt, aber wenn man nur für begrenzte Zeit vor Ort ist, möchte ich das nicht erleben.