Der erste Urlaub dieses Jahr sollte nach Budapest gehen. Es sollte der erste Urlaub in einer Stadt östlicher als Wien werden. Ich plante, zunächst eine Woche in Budapest und anschließend eine Woche in Wien zu verbringen.
Zum ersten Mal in meinem Leben wählte ich eine so lange Bahnfahrt als Reisemittel. Doch schon auf der Hinfahrt hatte der Zug in Salzburg Verspätung, sodass ich den direkten Zug nach Budapest verpasste und in Wien auf einen ungarischen oder rumänischen Nachtzug nach Bukarest ausweichen musste. Statt leise und luxuriös mit dem ÖBB Railjet mit 230 km/h zu reisen, musste ich nun in einem veralteten, klapprigen und stinkenden Nachtzug nach Bukarest mit Zwischenhalt in Budapest fahren. Jetzt weiß ich, wem die deutsche Bundesbahn die uralten Wagons verkauft hat: der ungarischen Staatsbahn. Genau wie das miserable Automodell hieß der auch Dacia. Ich fühlte mich zurückversetzt in meine Jugend, in der ich viel mit den Interregio-Zügen unterwegs gewesen bin. Spannend bei der dann verspäteten Ankunft in Budapest war allerdings ein Nachtzug am gegenüberliegenden Gleis, der nach Kiew fuhr. Ich fragte mich insgeheim, wann die Flak-Waggons angehängt werden sollten. Mein nächster Urlaub wird definitiv wieder mit dem Auto oder dem Flugzeug angetreten. Insbesondere die Deutsche Bahn kann man echt vergessen. Als Übernachtungsmöglichkeit hatte ich eine günstige Variante gewählt, da ich vorhatte, viel unterwegs zu sein.
Den ersten Tag verbrachte ich im Gellért-Bad. Ich war irritiert, dass man sein Handy mitnehmen und im Inneren Fotos machen konnte. Das habe ich gern genutzt, denn die Schwimmhallen lohnten sich auch vom Baustil her. Der Eintrittspreis war allerdings für ungarische Verhältnisse sehr hoch.
In den folgenden Tagen besichtigte ich Kunstmuseen, Sehenswürdigkeiten und die Innenstadt. Mich hat überrascht, wie viele schöne Fassaden es in Budapest zu sehen gibt. Ich hatte das Gefühl, mich in einem Freilichtmuseum zu befinden. Obwohl ich mich nicht mit Architektur auskenne, hatte ich den Eindruck, dass sich viele verschiedene Baustile nebeneinander reihen. Wie in jedem Urlaub besuchte ich alle Kunstmuseen. Das Angebot an ausgestellten Bildern war sehr auf ungarische Künstler konzentriert. Internationale Künstler, insbesondere aus den von mir bevorzugten Epochen der Renaissance und des Impressionismus, waren hingegen selten vertreten. Dennoch überraschte mich die Qualität der Werke. Den Großteil fand ich allerdings inhaltlich eher uninteressant. Interessanter waren hingegen die Museumsgebäude. Besonders gefielen mir die Gebäude des Museums der Schönen Künste, der Kunsthalle und der Ungarischen Nationalgalerie. Von außen imposant sind definitiv das Parlament, das Schloss, die St.-Stephans-Basilika und die Matthiaskirche. Budapest lebt von diesen drei Bauwerken, den Aussichten darauf und den Ausblicken von ihnen sowie den Straßenzügen in den verschiedenen Baustilen. Besonders sehenswert sind die Nachtansichten auf den Burgberg, die Brücken und das Parlament. Das durfte ich auch bei einer Donauschifffahrt erleben.
Überrascht hat mich das Preisniveau in Budapest. Es sind zwar keine Zürcher Verhältnisse, aber Essen und Eintritte sind nicht billig, sondern nur der Nahverkehr. Wie immer lebe ich in solchen Urlauben auf Sparflamme. Toll sind die Trinkbrunnen überall.
Was nehme ich mit? Ich war insgesamt sechs Tage in Budapest. Ohne das Bad hätten mir im Nachhinein auch drei Tage genügt. Ich werde wohl nicht noch einmal dorthin fahren. Ein einmaliger Besuch ist Budapest vielleicht wert, aber ein weiterer sicher nicht. Die Stadt wirkt insgesamt heruntergekommen, bis auf einige renovierte Bereiche und öffentliche Gebäude wie Verwaltungen oder Botschaften, die vermutlich aus EU-Geldern oder von anderen Stellen finanziert wurden. Den Ostblockcharakter hat Budapest bis heute nicht abgelegt. Sicher versucht man, Touristen anzulocken, aber der verschlossene Charakter der Stadt ist weiterhin wahrnehmbar. Vielleicht liegt das aber auch an der Regierung. Mir ist klar geworden, dass ich im Osten einfach nichts zu suchen habe. Ich bin ein Südmensch. Es ist einfach mehr Schein als Sein. Budapest ist sehr laut und autolastig. Selten habe ich eine so lautstarke Stadt erlebt. Das stresst mich als ruhiger Mensch einfach. Dazu kommt, dass ich auf die Blüte der vielen Linden in Budapest leider mit Heuschnupfen reagiere. Trotz meiner Tabletten und meines Sprays habe ich sehr darunter gelitten. Aber egal, Augen zu und weiterlaufen. Immer wieder wird mir bewusst, dass ich einfach viel und weit laufen kann, egal, ob ich hungrig bin, es heiß ist oder ich eine Allergie habe. Direkt nach meinem Besuch sollte es zum Glück wieder mit dem Luxus-ÖBB-Railjet nach Wien gehen.